Verbale Entwicklungsdyspraxie (VED) – Was ist das?

Im Bereich der Artikulationstherapie bei Kindern unterscheiden wir zwischen phonetischen Lautfehlbildungen wie z.B. dem Lispeln (Sigmatismus) und den phonologischen Aussprachestörungen (Kanne zu Tanne). Des Weiteren gibt es eine dritte, sehr ausgeprägte Aussprachestörung, die Verbale Entwicklungsdyspraxie (VED).

Der Begriff Verbale Entwicklungsdyspraxie bedeutet die Unfähigkeit, sinnvolle Handlungen auszuführen, obwohl keine Bewegungsstörung, Sinnesbeeiträchtigung, Störung des Sprachverständnisses oder geistige Behinderung vorliegt. (Schulte-Mäter, 1996)

Im Gegensatz zu den anderen Aussprachestörungen gibt es zur Erkennung noch kein standardisiertes Diagnostikverfahren. In unterschiedlichen Studien wird belegt, dass Jungen dreimal so häufig von VED betroffen sind als Mädchen. Amerikanische Studien von 1997 zeigen, dass 1% der Kinder eine VED aufweisen. Auf Rhede bezogen sind dies ungefähr 30 Kinder in unserem Stadtgebiet.

Kinder mit einer VED zeigen meist ein sehr eingeschränktes Lautinventar, oder ihre Aussprache besteht überwiegend aus Vokalen, so dass sie häufig unverständlich sprechen. In der Sprachentwicklung fallen diese Kinder rückwirkend als ruhige und stille Babys auf, die wenig bis gar nicht gebrabbelt oder lautiert haben. Der eigentliche Sprechbeginn (ca. 12 Monate) ist oft verspätet und erschwert. Auch der Anstieg des Wortschatzes und die Bildung von Sätzen werden negativ beeinflusst. Wegen der verminderten Verständlichkeit werden Kinder mit einer VED häufig ausgegrenzt. Das Nicht-Verstanden-werden führt zu Sprechabbrüchen und sprachlichem Rückzug, was sich auch negativ auf die sozial-emotionale Entwicklung des Kindes auswirken kann.

VED

Eine unbehandelte VED kann sich nachteilig auf die gesamte Sprach- und Sprechentwicklung auswirken, so dass als Folge langfristig auch eine Lese- und Rechtschreibstörung entstehen kann. Um dieses zu vermeiden und die Sprach- und Sprechentwicklung des Kindes zu unterstützen, ist eine langfristige und intensive logopädische Therapie erforderlich. Zur Behandlung dieser Symptome gibt es verschiedene Therapiemethoden, u.a. KoArt, die Assoziationsmethode nach McGinnis, TAKTKIN oder VEDiT. In unserer Praxis behandeln wir nach TAKTIN und VEDiT. TAKTKIN ist eine Methode, bei der mittels bestimmter Handgriffe die Therapeutin im Gesicht des Kindes die Sprechbewegung unterstützt. Bei VEDiT (Verbale Entwicklungsdyspraxie intensiv Therapie) wird mit dem phonembestimmten Manualsystem (PMS) die Artikulation in Kombination von Handzeichen, Mundbild und dazu gehörigen Buchstabenkarten erarbeitet.

Unsere Kollegin Kornelia Peters hat sich in vielen Fortbildungen spezialisiert. Sie ist inzwischen zertifizierte TAKTIN-Therapeutin. Die Eltern sollten zur Unterstützung jeden Tag ein 5-minütiges Training durchführen. Des Weiteren kann es zur Entlastung der Alltagskommunikation sinnvoll sein, vorübergehend ein Kommunikationsbuch anzulegen. Dort sind die Eltern und wichtige Personen, Erlebnisse und Gefühle dargestellt und das Kind kann auf Dinge zeigen, die es sonst nur unverständlich äußern kann.

Die Problematik der VED ist nicht die häufigste Störung, die wir behandeln. Die davon betroffenen Kinder sind wegen des Ausmaßes und der Hartnäckigkeit der Störung aber besonders stark in ihrer Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Es ist daher für alle Beteiligten immer wieder eine große Freude, wenn wir die Kinder nach jahrelanger Therapie als geheilt entlassen können.

Falls Sie weitere Fragen zur Verbale Entwicklungsdyspraxie haben, zögern Sie nicht, Kontakt mit uns aufzunehmen. Wir beraten Sie gerne!

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